Kommentar zu den Lebenslaufdaten des Ampel-Kabinetts
Thomas Maetzel, April 2024 Der Weg in ein Kabinettsamt ist bei unseren 17 Kabinettsmitgliedern in fast allen Fällen gleich: Im Schnitt tritt man sehr früh, mit 23 Jahren, in die jeweilige Partei ein, um dann schon mit durchschnittlich 33 Jahren als Landtags- oder Bundestagsabgeordneter oder mit einem hohen Parteiamt endgültig zu 100 % Berufspolitiker oder sogar Regierungsmitglied zu werden. Von den neun Männern im Kabinett hat nur der Verteidigungsminister Wehrdienst geleistet. Der Finanzminister ließ sich nach dem Zivildienst - wohlgemerkt in der Stiftung seiner eigenen Partei - später ohne Gewissensbisse zum Reserveoffizier ernennen. Drei Männer haben den in der Regel heimatnahen Zivildienst anstelle des meist fernen und harten Kasernenlebens gewählt, und fünf haben gar keinen Dienst am Staat geleistet. Damit liegt der Anteil derjenigen, die eine Zeit ihres jungen Lebens dem Staat gewidmet haben, im Kabinett weit unter den Werten im gemeinen Volk. Allein dies zeigt schon eine sehr egoistische Grundeinstellung dieser Leute. Sichere Methoden, sich um jedweden Dienst zu drücken, gab es übrigens reichlich, z. B. ein offizieller Wohnsitz in Berlin oder ein gut bekannter Arzt. Der typische heutige Minister oder die typische Ministerin haben sich bei der Berufswahl zu einem überdurchschnittlichen Anteil (sechs von 17) für die Juristerei entschieden. Falls nicht, so sind die gewählten Fächer überwiegend politik- oder geisteswissenschaftlicher Natur und nicht jene, die als besonders anspruchsvoll und anstrengend im Studium gelten, wie Ingenieurwesen, Naturwissenschaften oder Betriebswirtschaft. Vielleicht hätten diese Fächer die Parteikarriere behindert. In ihren Studienfächern benötigen unsere Kabinettsmitglieder im Durchschnitt acht Jahre für ihre meist akademische Ausbildung statt der normalen Regelstudienzeit von fünf Jahren und damit weit mehr Zeit, für die der einfache Bürger noch sein BAföG erhält. Leistung sieht anders aus. Hat man dann seine Ausbildung abgeschlossen, ist man als Minister im Schnitt gerade mal noch sechs Jahre in irgendeiner Form berufstätig. Die ausgeübten Berufe oder selbstständigen Tätigkeiten haben meist gar nichts mit dem ausgeübten Ministerressort zu tun. Nur vier der 17 Kabinettsmitglieder haben eine längere Berufspraxis. Nimmt man sie heraus, liegt der Schnitt der anderen 13 bei nur drei Jahren. Nicht ein einziger Handwerker, richtiger Unternehmer, Ingenieur, Facharbeiter oder Naturwissenschaftler ist in unserer Regierung vertreten. Besondere und erfolgreiche berufliche Leistungen sind auf jeden Fall absolut kein Kriterium für ein Ministeramt, denn es sind durchweg keine zu beobachten. Ist man dann erst einmal Minister mit Flugrecht im Regierungs-Airbus, mit Panzerkarosse, Bodyguards, Chauffeur und Pensionsanspruch, muss man seinen Charakter in den Lebensjahren davor schon ziemlich positiv gefestigt haben, um dann nicht arrogant zu werden und abzuheben.
Wer Minister wird, muss allein deshalb ein eloquenter Machtmensch sein, weil er sich auf dem langen Weg nach oben durch die Intrigen seiner Partei gegen sehr viele und vielleicht objektiv bessere Leute durchgesetzt hat. Machtmenschen halten aber nun mal die eigene Meinung und das eigene Konzept für grundsätzlich am besten und tendieren zur Selbstgefälligkeit. Scheinbar ist auch die Fähigkeit, über viele Jahre die eigenen Parteigenossen mit brillanten Reden zu überzeugen, für die Karriere ausschlaggebend. Nun ja, ein ungelernter Minister wird schon von der zweiten Ebene eingearbeitet und zu den richtigen Entscheidungen gebracht, könnte man glauben. Aber das klappt doch nicht: Erst einmal besetzt jeder neue Minister seine zweite Ebene weitgehend neu mit bequemen Leuten aus der gemeinsamen Parteikarriere. Und wenn sich mal einer der Untergebenen traut, seine Meinung zu sagen oder nur auf einfache Fakten hinzuweisen, die der Boss nicht hören will, ist er seinen Job sofort los. Es gibt viel zu viele Beispiele, insbesondere im Verteidigungsministerium, wo so mancher General nach drei völlig fachfremden und persönlich ungeeigneten Besetzungen im Ministeramt schon entlassen wurde oder nur noch demotiviert die Tage bis zu seiner Pensionierung zählt. Fast jede Führungskraft in einem Unternehmen wird nach fachlichen Eigenschaften und bewiesenen Erfolgen ausgewählt, ergänzt um persönliche Eigenschaften wie Vorbildfunktion, Mitarbeiterführung und Ehrlichkeit. Bei Ministern ist so etwas nicht erkennbar. Wir als Bürger wundern uns dann, welche völlig weltfremden Gesetze entstehen, und vor allem wundern wir uns nicht, warum diese Leute oft so an einem Posten im Politikgeschäft kleben: Woanders als im Politikbereich würde sie einfach niemand mehr einstellen, sie haben ja gar keine brauchbare Berufserfahrung. Kaum eines unserer aktuellen Kabinettsmitglieder würde im normalen Leben mit seinem Lebenslauf bei irgendeinem Arbeitgeber überhaupt zum ersten Vorstellungsgespräch für eine Führungsfunktion als Abteilungsleiter geladen. Ausschlaggebend für die Karriere bis zum Bundesminister ist ausschließlich die Parteikarriere. Weder Ausbildung noch Berufspraxis spielen irgendeine Rolle. Dabei sind nur ca. 1,5 % unserer Bevölkerung Parteimitglieder - das Potenzial an möglichen guten Ministern und Ministerinnen aus den 98,5 % wird gar nicht erst in Erwägung gezogen. So gibt es nicht einen einzigen Quereinsteiger aus dem richtigen Leben und Beruf unter den neun Männern und acht Frauen im Kabinett. Ganz wenige Quereinsteiger wurden in der Vergangenheit schnellstens von den Parteiprofis "weggebissen". Zusätzliche Kriterien für die Ernennung von Kabinettsmitgliedern sind dann leider auch noch Geschlechterquoten, Länder- und Parteiproporz und wahrscheinlich auch persönliche Seilschaften. Wenn unsere Bevölkerung es nicht bald schafft, sich endlich eine kompetente Führung aus richtig veranlagten und wahren Persönlichkeiten zu wählen, wird unser Land die anstehenden Herausforderungen nicht meistern.
Lebenslaufanalyse des Ampel-Kabinetts (2021 - 2025)
Thomas Maetzel, April 2024 Ressort Name Partei Parteimitglied seit Geburtsjahr Alter Alter bei Parteieintritt Dienst am Staat Ausbildungsfach Dauer in Jahren Studium erfolgreich abgeschlossen? Berufspraxis Dauer Berufspraxis in Jahren ohne Zeit als Nebentätigkeit zum Mandat Berufspolitiker (Abgeordnete/r oder führendes Parteiamt) seit Alter bei Start als Berufspolitiker Kanzler Olaf Scholz SPD 1975 1958 64 17 Zivil Jurastudium 6 Examen Rechtsanwalt (Fachanwalt für Arbeitsrecht) 13 1998 40 Wirtschaft Robert Habeck Grüne 2002 1969 53 33 ohne Philosophie, Literatur, Philologie, Germanistik, Humanwissenschaften 9 Magister und Promotion Schriftsteller 9 2004 35 Finanzen Christian Lindner FDP 1995 1979 43 16 Zivildienst, aber Major der Res. Politik, Öffentliches Recht, Philosophie 7 Magister Inhaber Werbeagentur und Internetfirma neben dem Studium 7 2000 21 Inneres Nancy Faeser SPD 1988 1970 52 18 nicht relevant Jurastudium 10 2. Examen Rechtsanwältin (GÖRG Wirtschaftsrecht) 3 2003 33 Aussen Annalena Baerbock Grüne offen 1980 42 k.A. nicht relevant Politik und Intern. Recht 5 k.A. Büroleiterin EU - Abgeordnete 3 2008 28 Justiz Marco Buschmann FDP 1994 1977 45 17 Zivil Jurastudium 9 2. Examen Rechtsanwalt (White & Case Wirtschaftsrecht) 2 2009 32 Arbeit Hubertus Heil SPD 1988 1972 50 16 Zivil Politik und Sozialwissenschaft 11 Abschluss Fernuni Hagen keine 0 1998 26 Verteidigung Boris Pistorius SPD 1976 1960 62 16 Wehrdienst Jurastudium 9 2. Examen 6 Monate Anwalt, dann verschiedene Aufgaben im Staatsdienst und in der Regierung bis 2006 16 2006 46 Landwirtschaft Cem Özdemir Grüne 1981 1965 57 16 ohne Erziehungs- und Sozialpädagogik 7 Diplompädagoge FH Erzieher 2 1998 33 Familie Lisa Paus Grüne 1995 1968 54 27 Freiwilliges Soz. Jahr VWL und Politik 11 Diplom VWL 1 Jahr Mitarbeiterin an Fachhochschule, 2 Jahre Arbeit für EU - Abgeordneten 3 1999 31 Gesundheit Karl Lauterbach SPD offen 1963 59 k.A. ohne Medizin 14 Dr. med mult. Institutsleiter Uni, zeitweise dafür beurlaubt als Bundestagsabgeordneter 7 2005 42 Verkehr Volker Wissing FDP offen 1970 52 k.A. ohne Jurastudium 8 2. Examen und Promotion Richter, Staatsanwalt, Rechts- anwalt, Ministeriumsmitarbeiter 9 2004 34 Umwelt Steffi Lemke Grüne 1990 1968 54 22 nicht relevant Zootechnik, Landwirtschaft 7 k.A. Briefträgerin 2 1993 25 Bildung Bettina Stark- Watzinger FDP 2004 1968 54 36 nicht relevant VWL 4 Diplom Bankangestellte, Geschäftsführerin von Bildungseinrichtungen, Mitarbeiterin an Uniinstituten 17 2014 46 Entwicklung Svenja Schulze SPD 1988 1968 54 20 nicht relevant Germanistik, Politologie 8 Magister freiberufliche Werbung und PR, Unternehmensberatung für öffentlichen Bereich 8 1997 29 Bau Klara Geywitz SPD 1994 1976 46 18 nicht relevant Politik 7 Diplom keine 0 2004 28 Kanzleramt Wolfgang Schmidt SPD 1998 1970 52 28 ohne Jurastudium 8 2. Examen Universitätsmitarbeiter 3 2002 32 893 300 140 104 561 53 23 8,2 6,1 33,0 Quellen: Website der Bundesregierung, Wikipedia Summen: